Gegen die Abwälzung der Krisenkosten auf sozial Schwache: Tübinger Bildungsstreik kein Elitekampf

Das Tübinger Bildungsstreikbündnis solidarisiert sich mit den Protesten gegen die Abwälzung der Krisenkosten auf sozial Schwache. Auch in Tübingen zeigen sich nun die von vielen vorhergesagten Effekte der Wirtschaftskrise: Auf kommunaler Ebene sollen Kosten gespart werden. Das trifft zum Beispiel den Bereich der frühkindlichen Erziehung (bspw. Kitas).  Leider schaffen wir es momentan nicht, uns aktiv an den Vorbereitungen der Proteste zu beteiligen, da wir viel inhaltliche Arbeit vor uns haben, die schon seit geraumer Zeit im Raum steht und Bedingung für die weitere Arbeit im Bündnis ist.

Wer im Kupferbau dabei war oder unsere Forderungen verfolgte, wird noch wissen, bzw. bemerkt haben, dass wir nicht einfach wild Forderungen aufstellen wollen, die uns unmittelbar persönlich zugute kommen. Wir können – wenn wir denn schon Forderungen aufstellen (das müssen wir beispielsweise noch diskutieren) – diese nicht einfach aus dem sozialen Kontext lösen und zum Beipiel in Kauf nehmen, dass die höheren finanziellen Mittel, die wir fürs Bildungssystem fordern, dann einfach von Menschen in prekären Situationen abgezogen werden. Das würde dem Ziel widersprechen gute Bildung für alle zu bekommen. In der momentanen Situation hängt der Bildungserfolg nämlich stark von der sozial-ökonomischen Situation des Elternhauses junger Menschen ab, wie in den Pisastudien und den Berichten der OECD immer wieder zum Ausdruck kommt. Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern erlangen in eklatantem Maße nur nierdrigere Bildungsabschlüsse als Akademiker_Innen-Kinder. Eine weitere Verschlechterung der sozialen Situation dieser Eltern hätte also automatisch negative Auswirkungen hinsichtlich unseres Zieles, besser Bildung für ALLE zu erreichen. Deshalb fordern wir zum Beispiel bei der Abschaffung von Studiengebühren, nicht nur dass sie eben abgeschafft werden, sondern auch, dass sie durch die Einführung einer Vermögenssteuer finanziert wird und nicht beispielsweise durch weitere Kürzungen im sozialen Bereich.

In diesem Sinne vertritt das Plenum die folgende Ansicht:

Der Bildungsstreik darf nicht primär Interessenvertretung einer ohnehin gesellschaftlich privilegierten Schicht sein, sondern muss – wenn er seine Forderungen ernst nimmt – sich an Protesten gegen Aktionen die sich gegen sozial Schwache richten beteiligen.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.