Bundesweiter Bildungsstreik (auch) in Tübingen
In der kommenden Woche vom 15. – 19. Juni 2009 findet der bundesweite Bildungsstreik statt.
Auch in Tübingen hat sich ein Arbeitskreis aus Studierenden, sowie Schülerinnen und Schülern zusammengefunden, der im Rahmen der bundesweiten Protestwoche mit unterschiedlichen Aktionen auf die Missstände im Bildungswesen aufmerksam machen will.
Letzte Vorbereitungen auf dem Tübinger Ract!-Festival (12. und 13. Juni)
Zur Einstimmung und letzten inhaltlichen Vorbereitung auf die Aktionswoche wird es am Wochenende auf dem Ract!-Festival neben einem Infostand auch zwei Workshops geben.
Dabei soll im ersten Workshop unter der Fragestellung „Was für ein Bildungsstem wollen wir?“ den Utopien und Wünschen der Teilnehmer zunächst freier Lauf gelassen werden. Neben der Sammlung von Kritikpunkten an der bestehenden Bildungspolitik werden sich die Teilnehmer überlegen, wie ein ideales Bildungssystem für sie aussehen könnte. Dieser erste Workshop findet am Freitag in der Zeit von 15 bis 17 Uhr im Workshop-Bereich in Zelt 5 statt.
Der zweite Workshop „Tue was: Bildungsstreik 2009“ läuft am Samstag in der Zeit von 17 bis 19 Uhr und ist ebenfalls im Zelt 5 zu finden.
Anknüpfend an die Ergebnisse des Workshops vom Freitag sollen hier aus den gesammelten Utopien und Kritikpunkten konkrete Forderungen an die deutsche Bildungspolitik entwickelt werden. Dabei wird es auch darum gehen, wie diese Ziele im Rahmen der bundesweiten Bildungsstreik-Woche am besten in die Öffentlichkeit getragen werden können.
Im Anschluß an den Workshop wird es die Möglichkeit geben noch direkt auf dem Ract!-Festival Plakate und Transparente für die Demonstration in der kommenden Woche zu malen.
Neben der inhaltlichen Arbeit soll der Workshop neugierig machen auf die kommende Woche und einen Ausblick darauf geben, welche Aktionen geplant sind und wo Interessierte sich noch einbringen können.
Programm und zeitlicher Ablauf während der Aktionswoche (15. bis 19. Juni)
Die Tübinger Aktionswoche beginnt mit der Übergabe der studentischen Forderungen an das Rektorat am Montag um 14 Uhr.
Am Montag abend wird es dann um 19 Uhr einen Votrag von Tobias Kaphegyi zur “Neoliberalisierung der ökonomischen Bildung an den Schulen” geben.
Der Vortrag wird voraussichtlich in einem Hörsaal in der Neuen Aula stattfinden, wofür wir allerdings noch keine Zusage von Seiten der Universität erhalten haben. Notfalls findet eine spontane Aneignung eines Hörsaals statt. Interessierte finden kurz vor der Veranstaltung im Eingangsbereich der Neuen Aula und am Clubhaus genauere Hinweise auf den Vortragsort.
Der Mittwoch ist bundesweit und auch in Tübingen der zentrale Aktionstag des Bildungsstreiks.
Er wird eingeleitet mit einer gemeinsamen Demonstration von Schülerinnen, Schülern, Studierenden und Auszubildenden. Der zeitliche Ablauf ist dabei wie folgt:
8:30 Auftakt zur Demo der SchülerInnen vor dem Cafe XXL am Hauptbahnhof
9:10 Start der Demo der SchülerInnen gemeinsam mit SchülerInnen aus Reutlingen
10:00 Zwischenkundgebung vor der Neuen Aula und Auftakt der gemeinsamen Demonsration mit den Studierenden
10:30 Start der gemeinsamen Demo von SchülerInnen und Studierenden vor der Neuen Aula
12:00 Abschlusskundgebung am Marktplatz
12:30 Ende der Demonstration
14:30 Vortrag im Eingangsbereich des Kupferbaus:
“Warum diese Gesellschaft ein Bildungssystem hat, das zu ihr passt.”
16:00 Bildungsmagazin auf der Wüsten Welle (96,6 MHz) mit aktuellen Informationen vom Bildungsstreik (www.ernst-bloch-uni.de/radio)
21:00 AfterDemo-Party im Epplehaus
Weitere Aktionen und inhaltliche Programmpunkte am Dienstag und am Donnerstag ergeben sich je nach Verlauf des Bildungsstreiks spontan und werden kurzfristig über die Website des Tübinger Bildungsstreiks unter www.tuewas.org sowie über weitere Pressemeldungen mitgeteilt.
Ziele und Inhalte des Tübinger Bildungsstreiks
Das Bündnis kritisiert nicht nur die Unterfinanzierung des Bildungswesens und dessen zunehmend einseitige Ausrichtung an rein ökonomischen Maßstäben, sondern auch die soziale Selektivität und den Mangel an demokratischer Mitbestimmung.
Ausbildungsgehalt statt Ausbildungsgebühr!
Durch Ausbildungs- und Studiengebühren wird die mit dem dreigliedrigen Schulsystem ohnehin schon starke soziale Selektivität des deutschen Bildungswesens noch weiter zementiert.“, sagt Fabian Everding von der ['solid].SDS Hochschulgruppe und verweist auf die HIS Studie „Studiengebühren aus der Sicht von Studienberechtigten“1,
„Gerade ohne finanzielle Rückendeckung von zu Hause schreckt die Aufnahme eines Studienkredits viele Schulabgänger vom Studium ab. Besonders vor dem Hintergrund einer ohnehin unsicheren beruflichen Zukunft haben viele Leute Angst sich auf Jahre hinweg zu verschulden.“
Während in Schweden jeder Studierende ein Grundgehalt zur Finanzierung seines Lebens erhält, müssen Studierende bei uns Studiengebühren bezahlen und Auszubildende nicht selten für ihre Ausbildung selbst aufkommen. Auch für die schulische Ausbildung ihrer Kinder müssen Eltern immer tiefer in die Tasche greifen.
Der Student der Politikwissenschaft Jan Dollbaum kritisiert: „In den letzten Jahren wurde durch Studien vielfach belegt, dass Deutschland im internationalen Vergleich nur sehr wenig Geld in die Bildung investiert. Trotzdem wurden von der Politik kaum Verbesserungen erbracht.“
gezielte Förderung statt Lehrermangel!
„Um vernünftige Klassengrößen zu erreichen, hätte man schon vor Jahren viel mehr Lehrer einstellen müssen. Stattdessen wartet die Landesregierung, bis sich der Personalmangel an den Schulen kaum noch ignorieren lässt. Erst dann wird im Wahlkampf mit leeren Versprechungen geworben, die kaum oder gar nicht eingehalten werden.“, erklärt Lisa Maier von der Freien SchülerInnen Organisation (FSO).
Gestrafftes Studium geht auf Kosten der akademischen Freiheit / G8 sorgt für Schulstress
Während ein Studium früher nicht nur dem reinen Wissenserwerb dienen, sondern auch zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen sollte, ist die Universität mit den neuen Bachelor/Master-Studiengängen immer verschulter geworden und lässt den Studierenden zugleich immer weniger Freiraum um z.B. eigene Studieninteressen zu entwickeln oder sich außerhalb ihres Studiums zu engagieren.
Ein ähnliches Problem zeichnet sich bereits für die Schülerinnen und Schüler ab, die künftig schon nach der zwölften Klasse ihr Abitur machen sollen.
Master für alle!
Nur für etwa 30% aller Bachelor-Absolventen sind in Zukunft Master-Studienplätze vorgesehen.
Dazu sagt Jascha Smacka von der Fachschaften-Vollversammlung: „Durch die künstliche Limitierung der zur Verfügung stehenden Master-Studienplätze soll die Anzahl der Master-Absolventen auf ein von der Wirtschaft gewünschtes Maß reduziert werden. Der Rest soll sich mit einem minderwertigen Abschluss begnügen, der im übrigen nicht einmal überall in Europa anerkannt wird.“
Wer macht den Bildungsstreik in Tübingen?
Der Tübinger Bildungsstreik ist ein gemeinsames Bündnis des Arbeitskreises “Freie Bildung” der Fachschaften-Vollversammlung, der Freien SchülerInnen Organisation (FSO) und der ['solid].SDS Hochschulgruppe sowie der Linksjugend ['solid]. Außerdem sind verschiedene Einzelpersonen mit und ohne sonstige Gruppenzugehörigkeit bei uns aktiv.
Vor Ort werden wir unterstützt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg, der GEW Hochschulgruppe Tübingen und der ver.di jugend Fils-Neckar-Alb.
Wer noch spontan bei der Organisation des Bildungsstreiks mithelfen will, kann am kommenden Montag um 17:30 Uhr zum letzten kurzen Organisations-Treffen dazu kommen. Dieses letzte Treffen findet im Räte-Saal im Clubhaus in der Wilhelmstraße 30 statt.
Informations und Werbe-Materialien
Den Flyer des Tübinger Bündnisses finden Sie hier als PDF:
http://bildungsstreik.fsrvv.de/wp-content/uploads/FlyerTuebingen.pdf
Den Werbe-Aufkleber für Tübingen finden Sie hier in hoher Auflösung:
http://bildungsstreik.fsrvv.de/wp-content/uploads/aufkleber-big.png
Weitere Informationen über den Bildungsstreik in Tübingen finden sich unter www.tuewas.org im Internet.
